
Für manche begann das neue Jahr beschissen.
Damit meine ich nicht Menschen, sondern Orte, im Speziellen ein baumbestandener Grünstreifen zwischen zwei Hauptachsen mitten in Manizales. Schon im Dezember haben sich dort ein paar hundert Kuhreiher (Wikipedia) neue Schlafbäume gesucht. Berge von Vogeldreck und weisse Federn bezeugen tagsüber ihre nächtliche Anwesenheit.
Jeweils nach 17 Uhr treffen die anmutigen weissen Vögel in Gruppen oder einzeln ein und suchen sich ihren Schlafplatz. Fast berühren sie sich, so dicht nebeneinander stehen sie wie Zuschauer im Fansektor. Besonders beliebt ist der grosse Baum neben dem Flutlicht. Dunkelheit und Stille scheinen bei den Kuhreihern nicht notwendig für einen guten Schlaf. Nur die Gesellschaft muss stimmen.
Unter ihnen eilen Menschen heimwärts, staut sich der Verkehr, spielen Kinder, verkauft ein Verkäufer Süssigkeiten aus dem Bauchladen, hält der Bus.
Morgens, wenn es gegen sechs Uhr hell wird, fliegen sie aus der Stadt aufs Land. Dort gibt es keine Kuh ohne Kuhreiher neben sich. Angezogen werden die Vögel von Zecken und anderen Parasiten. Die Kuhreiher helfen den Kühen, die Plagegeister loszuwerden.
Wer so weit pendelt und so hart arbeitet, hat einen attraktiven Schlafplatz verdient. Gute Nacht, Vogelbäume!


Eine schöne Geschichte von den Kuhreiern, die zum gemeinsamen Schlafen mitten in die Stadt kommen und zum Arbeiten morgens aufs Land fliegen.