In Mexiko ist der Tod aus Zucker

Fertiges Produkt, schaurig schön (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Für die Toten nur das Beste: Schädel für den Día de los Muertos (Bild: M. Schäfer)

In einem versteckten Innenhof in Puebla, Mexiko, wird seit Generationen eine Tradition gepflegt, die nur noch wenige Familien praktizieren: Das Giessen und Dekorieren der Totenköpfe, die am 1. November, am Día de los Muertos, auf die reich geschmückten Altäre der Toten gestellt werden.

Wir kommen zufällig vorbei, ein Schild lockt uns hinein. «Arte Mexicano Colibri», darunter ein Bild süsser Köstlichkeiten. Puebla ist bekannt dafür. Maestro Emilio ist mässig erfreut, er wirkt gestresst. Wir können uns nicht entscheiden, wollen ein bisschen von allem. Typisch. Der Maestro erfüllt trotzdem jeden Wunsch und eilt davon, noch im Gespräch, ins Nebenzimmer. Wir schauen neugierig um die Ecke. In den zwei Räumen neben dem Laden lauert der Tod tausendfach – süss, weiss, hohl grinsend.

Es sind Werkstatt und Küche des Zuckermeisters, in die wir die Köpfe stecken. Dort, wo Totenköpfe in verschiedenen Grössen gegossen werden. Wir verstehen plötzlich die Unruhe des Maestros. Auf dem Herd wartet in einer weiten Kupferpfanne der kochende Zucker, im Nebenzimmer die Tonformen. Sie stammen von Maestro Emilios Grossvater und werden jedes Jahr wiederverwendet.

Wir dürfen bleiben und schauen zu, wie die Masse noch brodelnd in Tonform nach Tonform gegossen wird. Der heisse Zucker setzt sich in den Formen ab und wird zu weissem Knochen. Der verbleibende flüssige Zucker, quasi das Hirn, wird wieder in andere Köpfe umgefüllt. Schon nach kurzer Zeit können die zwei Teile der Formen entfernt werden. Da strahlt der Totenkopf.

Die Köpfe und Köpfchen werden in der Werkstatt oder an der Sonne getrocknet, bevor sie schliesslich mit dünner Folie und Zuckerguss schaurig schön verziert werden. Das Endprodukt gefällt Lebenden und Toten. Und nach dem Fest sorgen die Kinder dafür, dass die Süssigkeit schnell ins Jenseits befördert wird.

Der Zucker wird aufgekocht (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Der Zucker wird aufgekocht (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Küche und Köpfchen (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Küche und Köpfchen (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Der heisse Zucker wird eingefüllt (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Der heisse Zucker wird eingefüllt (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Alles abgefüllt und noch brodelnd heiss (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Alles abgefüllt und noch brodelnd heiss (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Das flüssige Innere wird wiederverwendet (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Das flüssige Innere wird wiederverwendet (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Frisch geformt und noch warm (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Frisch geformt und noch warm (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Schädel warten auf ihre Deko (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Schädel warten auf ihre Deko (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Armee der Toten (Bild: M. Schäfer, Textrakt)
Armee der Toten (Bild: M. Schäfer, Textrakt)

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