
Nebelschwaden ziehen über die Hänge des mächtigen Vulkans Nevado del Ruiz. Es riecht nach Schwefel von kalten und heissen Bächen. Dann reisst ein Loch auf, ein Stück blauer Himmel wird sichtbar. Für Sekunden nur ziehen zwei riesige schwarze Vogelsilhouetten vorbei, bevor der Nebel sie wieder verschluckt. Andenkondore.
Andere Welt
Die faszinierende, andine Vegetationszone zwischen 3500 und 4500 Metern über Meer heisst Páramo und ist hauptsächlich in Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Peru zu finden. Weit über der Baumgrenze des Nebelwaldes wird die Pflanzenwelt dunkler, kompakter, niedriger. Ganzjährig ist hier die Vegetation tiefen Temperaturen, starker UV-Strahlung, viel Regen und Wind ausgesetzt. Diese Vegetation spielt für die Menschen eine lebenswichtige Rolle: Sträucher, Moose und Flechten speichern Wasser wie ein Schwamm und garantieren die ganzjährige Trinkwasserversorgung des Tieflands.
Streichelpflanze und Maskottchen
Bekanntestes Symbol des Páramos sind die Frailejónes oder Schopfrosetten. Sie wachsen sehr langsam, zwischen 1 bis 2.5 cm pro Jahr. Dafür können sie bis zu hundert Jahre alt und mehrere Meter hoch werden. Vom Aussehen her erinnern sie von Weitem an Kakteen oder schlanke Bäume. Sie tragen Blätter auf dem «Kopf», bedeckt von feinen Härchen, die die Feuchtigkeit einfangen. Mit ihrem Pelz laden Frailejónes fast zum Streicheln ein – was ihnen allerdings schadet, falls man es tatsächlich tut. Sie sind echte Sympathieträger. Ein Frailejón hat in Kolumbien sogar Fernsehkarriere gemacht. Die Comicfigur Frailejón Ernesto Pérez erklärt singend, wie man zur Umwelt Sorge trägt. Er hat unzählige Augen, wirkt ziemlich gestört und singt falsch, aber egal: Er ist populär. Aus Plüsch darf man ihn auch mit gutem Gewissen berühren.
Páramo in Gefahr
Frailejón Ernesto Pérez macht sich zu Recht Sorgen. Der Páramo ist vielerorts geschützt. Aber er muss weichen, wo Viehwirtschaft und Landwirtschaft, vor allem in Form von Kartoffelanbau, Einzug halten. Auch die Ausbeutung von Rohstoffen oder unkontrollierter Tourismus setzen ihm zu. Mehr und mehr kommt eine neue Gefahr ins Spiel: Steigende Temperaturen und Trockenheit, jetzt noch angeheizt vom Klimaphänomen El Niño, machen selbst der feuchten Pflanzenwelt des Páramos zu schaffen. Die Bilder von Hektaren rauchender, abgestorbener Frailejónes der letzten Wochen gehen ans Herz. Zum Glück hat es diese Woche seit Langem wieder kräftig geregnet.
«El agua es vida», Wasser ist Leben. Das höre ich hier oft. Vergessen wir es nicht.







Die Landschaft sieht fantastisch aus. Danke herzlich Martina für den interssanten Beitrag und die tollen Bilder.